„Die Klimakrise – es geht um die Zukunft“

Ein Beitrag von Niklas Nienaß zur Klimakrise.

Die Zeit drängt. Wir müssen jetzt sofort das Klima schützen und all unsere Anstrengungen darauf konzentrieren! Es geht wirklich um unsere Zukunft und nicht weniger als um das Leben, wie wir es kennen.
Häufig werden Klimaschützer*innen als „Ökohippies“ abgestempelt. Als Leute, denen die Umwelt mehr wert ist, als der wirtschaftliche Fortschritt, ja der Wohlstand der Nationen. Mich stören diese Aussagen, denn Klimaschutz ist gar nicht so selbstlos, wie manch einer das gerne behaupten möchte. Klimaschutz ist auch etwas besonders Egoistisches, denn es geht um unser Leben und das unserer Kinder!

Gefährliche Szenarien – die Klimakrise

Das World Economic Forum benannte kürzlich die Top sechs Szenarien, die kritisch für den Fortbestand der Menschheit sind. Eines davon ist ein internationaler Atomkrieg. Alle anderen fünf sind ökologische Gründe, allen voran und alle beeinflussend ist die Klimakrise die größte Gefährdung der Zivilisation. Und diese Aussage kommt nicht von irgendwelchen „Ökohippies“, sondern von Unternehmenschefs und Wirtschaftswissenschaftlern. (World Economic Forum 2019)
Betrachtet man die Erdgeschichte genauer, so stößt man auf bisher 5 zerstörerische Großereignisse – fünfmal kam es zu einem Massenaussterben der Arten. Jedes dieser Ereignisse kostete mindestens einer Großgruppe das Leben. Das bekannteste Massenaussterben ist das Aussterben der Dinosaurier und das anschließende Emportreten der Säugetiere. Egal in welche Ecke der Welt wir heute blicken, überall sind wir konfrontiert mit dem Aussterben zahlreicher Arten. (WWF Deutschland 2019)
Die Rote Liste wird erst länger und länger, bis zahlreiche Arten schließlich ganz verschwinden werden. Wir leben in der Zeit des 6. großen Massenaussterbens der Erdgeschichte, welches buchstäblich durch die Erderwärmung und den damit einhergehenden Klimawandel angeheizt wird. Dieser wird befeuert durch die dramatische Zunahme an Kohlenstoffdioxid und anderen Treibhausgasen (THG) in unserer Atmosphäre (Change 2019). Aber es gibt auch Hoffnung. Denn theoretisch haben wir tatsächlich bereits jetzt die technischen Mittel, um den THG Ausstoß zu senken und das Klima zu regulieren. Es ist nur eine Frage des politischen Willens. Es ist die Jahrhundertaufgabe der Menschheit, die wir bestehen müssen, um als Zivilisation zu überleben.
Natürlich geht von zu viel THG die Welt nicht unter. Der Planet wird weiter existieren und auch das Leben an sich wird wahrscheinlich nicht gänzlich verschwinden. Aber das menschliche Leben wird schwer und je nach Zunahme der Temperatur unmöglich. Es ist fraglich, ob die Säugetiere – und damit auch der Mensch – dieses 6. Massenaussterben überleben.

Worauf wir zusteuern

Worauf wir mit unseren aktuellen Emissionen zusteuern, ist eine kleinere Welt. Eine Welt, in der der Meeresspiegel um mehrere Meter steigt und Küstenregionen versinken lässt. Städte wie meine Wahlheimat Rostock gäbe es dann nicht mehr.
Rostock ist vergleichsweise klein. Nur 200.000 Menschen wohnen hier. Vom Meer bedroht sind aber noch etliche weitere Regionen, in denen Milliarden Menschen siedeln. Megastädte wie Hongkong, Shanghai, Peking, Tokyo, New York, Neu-Delhi, Rio de Janeiro, Hamburg, Venedig und weitere würden versinken. Ein Großteil der Menschheit lebt in Küstennähe. Bei einem fortschreitenden Temperaturanstieg werden im Jahr 2050 zwischen 100 Millionen und 1 Milliarde Menschen aufgrund der Klimakatastrophe auf der Flucht sein (Amnesty International et al. 2013). Inder, Chinesen, Chilenen, Amerikaner, Mecklenburger, Holländer, Kenianer – alle. Die Klimakatastrophe kennt keine Grenzen.
Doch selbst wenn wir die Städte wiederaufbauen können und allen Geflüchteten ein Haus bauen, stellt sich die Frage, wie wir die Menschheit dann ernähren wollen. Schon jetzt gehen jährlich mehr als 10 Millionen Hektar Ackerland verloren (Pimentel 2006). Das Salzwasser wird Felder unbrauchbar machen, die Wüsten, die sich weiter ausbreiten, werden den Bestand von Ackerfläche weiter verringern. Weniger Fläche auf dem Planeten bedeutet zwangsläufig weniger Ernte, weniger Nahrung und mehr Hunger überall auf der Welt.
Weniger Fläche bedeutet auch, dass mehr Menschen eng zusammenleben werden. Ob in Flüchtlingscamps oder neugebauten Megacitys oder irgendwo in der Steppe. Enge befördert die Ausbreitung von Krankheiten, welche der Menschheit weiter zusetzen würde.

Eine unsichere Zukunft wegen der Klimakrise?

Schon jetzt zeichnet sich eine Zukunft ab, die keine ist. Und dabei habe ich noch kein Wort über die Gefahren der Klimakrise für die Umwelt verloren. Denn das Ökosystem würde in einer Geschwindigkeit aus dem Gleichgewicht gebracht werden, bei der die Evolution keine Zeit hätte, um für Anpassung zu sorgen. Was kleinste Veränderungen des Ökosystems für uns bedeuten, zeigt das Beispiel der Biene. Sie sorgt für die Bestäubung von 71 der 100 Nutzpflanzenarten, welche etwa 90% der weltweiten Nahrungsproduktion ausmachen (UNEP 2010). Es ist nicht auszumalen, was passiert, wenn sie aussterben sollte!
Unsere Zukunft scheint nicht grade rosig. Manch einer mag sagen, dass der technische Fortschritt für all diese Probleme Abhilfe wird schaffen wird. Das kann sein. Vielleicht werden wir in Zukunft Roboterbienen haben, die die Bestäubung übernehmen oder es wird uns möglich sein in großem Maßstab THG aus der Atmosphäre zu binden. Ich jedoch habe meine Zweifel an diesem Ansatz. Zum einen hieß es vor 10 Jahren noch, dass es das sog. CCS (Carbon Capture and Storage) ermöglichen würde, die CO2 Emissionen von beispielsweise Kohlekraftwerken in Gesteinsschichten zu speichern. Viel Hoffnung wurde in diese Technologie gesetzt, viele Mittel investiert. Heute zeigt sich: CCS funktioniert nicht. Die Testphase ist gescheitert.

„deus ex machina“

Ich halte nicht viel davon auf den „deus ex machina“ zu warten, eine gottähnliche Maschine, die uns aus allem Schlamassel rettet. Eine schöne Geschichte dazu steht zufällig in der Bibel (ich besuchte eine katholische Grundschule, da bekommt man sowas mit…):
Ein Mann hatte ein Haus am Ufer. Als es Tage lang durchregnete und das Wasser stieg, kam ein Weiser vorbei und warnte den Mann: „Der Regen wird nicht aufhören und das Wasser wird weiter steigen. Dein Haus wird untergehen und dein Leben ist in Gefahr. Nimm dein Hab und gut und zieh ins Landesinnere, dann bist du in Sicherheit und wirst bis auf dein Haus nichts verlieren.“ Der Hausbesitzer antwortete: „Nein, ich gehe hier nicht weg. Mein Glaube ist stark und Gott wird mich retten.“
Drei Tage später hatte der Regen immer noch nicht aufgehört und das Wasser war in das Haus eingedrungen. Es stand dem Hausbesitzer bis zu den Knöcheln. Da kam eine Frau mit einem Pferdekarren am Haus vorbei und rief zu dem Mann: „Komm! Lade die wichtigsten Dinge ein und flieh mit mir ins Landesinnere. Du wirst einiges verlieren, aber dein wichtigstes Hab und Gut und vor allem dein Leben ist sicher!“ „Nein antwortete der Mann, mein Glauben ist stark und Gott wird mich retten.“ Nach drei weiteren Tagen Regen stand das Wasser im Haus bis zu Decke. Der Hausbesitzer hatte sich auf das Dach geflüchtet, da kam ein Boot vorbei. In dem Boot saß eine Frau und sie sagte: „Spring ins Boot. Wir rudern ins Landesinnere, dort sind noch trockene Stellen. Du verlierst zwar alles, aber dein Leben ist gerettet.“ Doch der Hausbesitzer antwortete wieder „Nein, mein Glaube ist stark und Gott wird mich retten.“
Am nächsten Tag ertrank der Mann. Als er im Himmel auf Gott traf machte er diesem Vorwürfe: „Ich habe mich immer an deine Gebote gehalten, habe gebetet und all meine Hoffnung in dich gesteckt. Du aber hast mich verlassen, als ich Hilfe brauchte.“ Gott antwortete ihm: „Ich habe dir einen Weisen geschickt, der dich frühzeitig warnte. Hättest du auf ihn gehört, hättest du alles retten können. Aber du hast ihn ignoriert. Dann habe ich dir einen Karren geschickt, der das Wichtigste hätte retten können und dich ohne Probleme fortgebracht hätte. Aber auch hier hast du auf stumm geschaltet. Zuletzt hab ich dir noch ein Boot geschickt, dass zumindest dein Leben retten sollte. Aber auch hier hast du meine Hilfe nicht angenommen. Du bist selbst schuld an deinem Versagen, wenn du die Chancen nicht nutzt, die ich dir biete.“
Nun soll mein Text nicht religiös wirken, ich finde diese Geschichte dennoch hilfreich. Denn auch wir wurden bereits vor 40 Jahren vor dem Klimawandel gewarnt. Hätten wir dann sofort reagiert, hätten wir die gesamte Klimaveränderung aufhalten können. Jetzt aber steht uns das Wasser bereits zu den Knöcheln. Wenn wir jetzt handeln, können wir zumindest den Klimawandel abschwächen und auf 1,5° C begrenzen. Jegliche Technologie, die dafür notwendig ist, steht zur Verfügung! Wir können auf erneuerbare Energien umsteigen und unser Konsumverhalten ändern. Wir können jetzt die Wirtschaft umbauen, die Techniken weiterentwickeln und die notwendigen Vorbereitungen treffen, um zumindest einen Großteil unseres Ökosystems zu retten. Unsereins dürfen nicht auf eine Technik warten, die uns irgendwann einmal alle Probleme abnehmen könnte! Wir haben diese Technologien bereits, wir müssen sie nur einsetzen.

Welt verändern für unsere Zukunft – Klimakrise stoppen!

Da du bis hierhin gelesen hast, nehme ich an, dass dir etwas an dem Thema liegt und du dich sicher fragst: „Wenn wir all das haben: Die Informationen, die Berechnungen, die Techniken und die Forschungsergebnisse. Wieso setzen wir sie dann nicht um?“
Weil die Politik noch betet. Weil sie noch an einen Gott glaubt – an eine neue Technik, die das Wasser, das uns bis zum Hals steht, noch in Wein verwandelt. Da die Politik nicht in die Fähigkeiten der Menschen vertraut, die sie vertreten soll. Weil die Politik zu müde ist und zu faul etwas zu ändern.
Also komm, lass uns gemeinsam die Politik ändern. Dafür müssen wir mit den Menschen reden. Aber nicht nur über Eisbären und verschollene Käferarten. Wir müssen mit den Menschen in einer Art und Weise kommunizieren, die sie anspricht. Wenn wir über die Energiewende reden, dann ist das nicht ein „Ökohumbug“, um den Eisbären zu retten, sondern eine Investition in den Forschungsstandort Deutschland. Eine Möglichkeit, unabhängig von Gas und Öllieferungen der Amerikaner, der Russen und der Saudis zu werden. Es ist die Chance mehr Souveränität zu bekommen und außenpolitisch eine Führungsrolle im Klimaschutz einzunehmen.
Klimaschutz ist kein „Hippietanzkreis“, sondern Recht und Gesetz. Das Pariser Klimaabkommen gilt! So wie sich jeder an die StVO halten muss und nicht über Rot fahren darf, so müssen wir uns an das Pariser Abkommen halten, denn es ist ein verbindlicher Vertrag mit Gesetzesrang. Pacta sunt servandi – Verträge sind einzuhalten. Klimaschutz steht für Ordnung, Stabilität und Sicherheit, weil er verhindert, dass Menschen sich auf die Flucht begeben müssen und u. a. nach Europa kommen. Ohne Klimaschutz wird es zu Wasserknappheit und Ressourcenmangel kommen, es wird Verteilungskämpfe geben und Chaos wird ausbrechen. Klimaschutz ist der Garant für Stabilität und Ordnung. Klimaschutz steht nicht für eine utopische Regenbogen-Zukunft in der alle Probleme auf einen Schlag gelöst sind – Klimaschutz kann nicht einmal eine gute Zukunft garantieren. Aber nur Klimaschutz kann uns überhaupt eine Zukunft garantieren. Was wir daraus machen und wie wir diese gestalten, liegt an uns.

Klimaschutz braucht dich!

Der Klimaschutz braucht dich. Er braucht dich und mich und jede Stimme, die er kriegen kann. In jedem Gespräch, dass du führst, solltest du auf die Klimakrise hinweisen. Jeden Menschen, mit dem du in Kontakt trittst, solltest du auf die Katastrophe hinweisen, die uns als Menschheit bedroht. Nur wenn wir die Klimakrise als Problem der gesamten Menschheit begreifen und sie auch so behandeln, haben wir eine Chance sie zu überleben. Nur wenn wir aus Worten Politik werden lassen, wird die Politik endlich handeln. Das schaffen wir nur, wenn wir es gemeinsam ernst meinen! Also nimm die Klimakrise ernst als das was sie ist: Das größte Problem des Jahrhunderts. Und wir können es lösen!
DU möchtest mit Niklas Nienaß Wahlkampf machen, dann schreib ihm!

Literaturverzeichnis – „Die Klimakrise – es geht um die Zukunft“

Amnesty International; Brot für die Welt; Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen; Germanwatch e.V.; medico international e.V.; Oxfam Deutschland e.V.; Förderverein PRO ASYL e.V. (Hg.) (2013): Auf der Flucht vor dem Klima. Online verfügbar unter https://www.germanwatch.org/sites/germanwatch.org/files/publication/7343.pdf, zuletzt geprüft am 20.03.2019.
Change, NASA Global Climate (2019): Carbon dioxide concentration | NASA Global Climate Change. Online verfügbar unter https://climate.nasa.gov/vital-signs/carbon-dioxide/, zuletzt geprüft am 25.02.2019.
Pimentel, David (2006): Soil Erosion: A Food and Environmental Threat. In: Environ Dev Sustain 8 (1), S. 119–137. DOI: 10.1007/s10668-005-1262-8.
UNEP (2010): UNEP emerging issues: global honey bee colony disorder and other threats to insect pollinators. Unter Mitarbeit von Stéphane Kluser (UNEP), Dr. Peter Neumann (Swiss Bee Research Centre), Dr. Marie-Pierre Chauzat (French Agency for Environmental and Occupational Health Safety (AFSSET), Dr Jeffery S. Pettis (United States Department of Agriculture – Agricultural Research Service USDA/ARS). Online verfügbar unter https://wedocs.unep.org/rest/bitstreams/14378/retrieve, zuletzt geprüft am 20.03.2019.
World Economic Forum (2019): The Global Risks Report 2019. 14th Edition. 14. Aufl. Unter Mitarbeit von Marsh & McLennan Companies and Zurich Insurance Group. Geneva. Online verfügbar unter http://www3.weforum.org/docs/WEF_Global_Risks_Report_2019.pdf, zuletzt geprüft am 20.03.2019.
WWF Deutschland (2019): „Rote Liste“ wird länger und länger. Online verfügbar unter https://www.wwf.de/2015/november/rote-liste-wird-laenger-und-laenger/, zuletzt aktualisiert am 20.03.2019, zuletzt geprüft am 20.03.2019.