Am heutigen 21. März ist der internationale Tag gegen Rassismus und wir wollen die Gelegenheit nutzen um an eines der düstersten Kapitel der neueren Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Mecklenburg-Vorpommerns und der Stadt Rostock zu erinnern: dem Pogrom von Lichtenhagen 1992, der sich in diesem Jahr zum zwanzigsten Mal jährt.

Im besagten Jahr kam es zu den massivsten rassistischen Pogromen der Nachkriegsgeschichte. Mehrere Tage vom 22. August bis zum 26. August 1992 belagerten und attakierten mehere hundert Neonazis ein Asylbewerber_innenheim, das Sonnenblumenhaus, im  Nordwesten der Stadt Rostock unter dem Applaus von mehreren tausend Schaulustigen.



Angesichts der Bilder von vor 20 Jahren wird uns noch heute schlecht, vor allem wenn wir betrachten, was sich seitdem gewandelt hat. Denn aus den rassistischen Übergriffen wurden zwar Lehren gezogen, nur leider nicht die Richtigen. Die damalige Bundesregierung nutzte die Pogromstimmung im gesamten Bundesgebiet um das Asylrecht de facto abzuschaffen. Die Landesregierung reagierte ebenso verantwortungslos und verlegte die Asybewerber_innenheime in die Randgebiete und auf abgelegene Dörfer, isolierte Migrant_innen von der übrigen Bevölkerung und gab so den rassistischen Forderungen und menschenverachtenden Einstellungen nach. Diese rassistische Politik im Umgang mit Flüchtlingen hat sich seitdem kaum gewandelt. Noch immer verweigern CDU und SPD trotz zivilgesellschaftlichen Protests die dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen und grenzen diese so aus unserer Gesellschaft aus. Die viel beschworene „Intergration“ wird den Betroffenen so unglaublich schwer gemacht und rassistischen Einstellungen in der breiten Bevölkerung wird weiterer Nährboden geboten.

Allgemein scheint Mecklenburg-Vorpommern aber geistiges Kind der Pogrome von Lichtenhagen zu sein. So sitzt einer der Anheizer des Pogroms von Lichtenhagen Michael Andrejewski heute für die NPD im Landtag von M-V, ohne dass sich die so genannte Mitte der Gesellschaft dafür wirklich interessiert. 48 % der Menschen im Land hielten es im vergangenen Jahr nicht einmal für nötig wählen zu gehen und somit Einfluss auf die Politik zu nehmen. Oft durften wir uns im Wahlkampf anhören, dass die NPD auch nicht schlimmer sei als andere Parteien. Auch in Bezug auf die Pogrome in Lichtenhagen wird heute vorrangig der „Imageschaden“ für die Stadt Rostock beweint, statt offensiv gegen rassistische Einstellungen in der Mitte der Gesellschaft vorzugehen.

Trotz dieser desaströsen Zustände im Land gibt es immer wieder antifaschistische und antirassisitsche Initiativen und Gruppen, die sich gegen Rassismus engagieren, die wir als Grüne Jugend MV ausdrücklich unterstützen und die unsere uneingeschränkte Solidarität haben. Wir wollen an dieser Stelle auch einmal die Chance nutzen einige von ihnen zu nennen: